Das Wesen der Taufe
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die christliche Wassertaufe ist ein von Jesus eingesetztes Sakrament (Matthäus 28,19) für die Gemeinde des neuen Bundes, das in erster Linie zeichenhaft für das Erkennen und Bekennen der Sünden, das Abwaschen von Schuld und Sünde durch das Blut Christi und die Erneuerung des Getauften durch den Empfang des Heiligen Geistes steht. Die Taufe ist aber nicht nur ein Symbol für den Prozess der inneren Veränderung (Transformation) des bekehrten Menschen, sondern dient auch als ein sichtbares Zeugnis (Bekenntnis) des Glaubens in der Welt und dokumentiert die Zugehörigkeit zum Leib Christi, d. h. zur weltweiten irdischen sowie eschatologisch ewigen Gemeinde in Christus.
Das griechische Wort für »Taufe« (βάπτισμα – baptisma) [1] leitet sich vom Verb »taufen« (βαπτίζω – baptizo) [2] ab und bedeutet sowohl »taufen« als auch »waschen«. Die Bedeutung des Waschens ist ein Hinweis darauf, dass das Wort »baptizo« auch für die rituelle Waschung bzw. Reinigung von den Sünden im Alten Bund unter den Gesetzen Mose verwendet wurde. Verwandt mit dem Wort »baptizo« ist das griechische Wort »βάπτω – bapto« [3] , was »tauchen«, »eintauchen« bedeutet und damit ein Hinweis auf die Taufpraxis des Untertauchens in vielen Gemeinden ist.
Bevor wir uns mit der christlichen Taufe (Kapitel 4) und ihren Vorläufern (Kapitel 3) beschäftigen, schauen wir auf das Wesen der Taufe und auf die geistlichen Wahrheiten und Prozesse, die hinter der von Jesus angeordneten Wassertaufe stehen.
Das Wesen und die Prozesse der christlichen Taufe
Der Vorgang der christlichen Wassertaufe bildet als Gesamtvorgang der Taufhandlung einen zweifachen Prozess ab.
Im ersten Prozess des symbolischen Untertauchens wird der Täufling in den Tod getauft (Römer 6,3 / EIN).
Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?«
(Römer 6,3 / EIN)
Der Täufling versinkt symbolisch in die Sphäre des Todes dort, wo im Wasser sein altes Selbst, d. h. sein gottloses Ego der Sünde abgetötet wird. Buchstäblich wird seine alte Natur der Sünde ertränkt bzw. in den Tiefen begraben (Kolosser 2,12) . Dieser Vorgang des symbolischen Sterbens klingt für uns zunächst bedrohlich. Aber der Tod unseres alten sündigen Menschen bedeutet Vergebung und Befreiung. »Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.« (Römer 6,7) So geht es in der christlichen Taufe weniger „nur“ um die Buße und das Abwaschen bzw. Vergebung der Sünden wie in der Taufe des Johannes, sondern um das grundsätzliche Absterben unseres alten inneren Wesens der Sünde. Die Loslösung bzw. Befreiung von der Herrschaft der Sünde kann nur gelingen, wenn wir in der Kraft des Heiligen Geistes unser altes gottloses Leben in der Nachfolge um Christi willen loslassen, um ein neues Leben in Christus zu gewinnen (Matthäus 16, 25) .
So wird der Täufling zwar bildhaft in das Wassergericht des Todes und des Sterbens hineingetauft, wird aber im zweiten Prozess des symbolischen Auftauchens nach dem Vorbild Noahs durch das Todesgericht der Wasserfluten hindurch errettet und verwandelt. Der Täufling wird zu einer neuen Schöpfung, d. h. zu einem neuen Menschen und zu einem neuen Leben in Christus wiedergeboren (2. Korinther 5,17) .
So sind bei der Taufhandlung je nach Betrachtungsweise folgende drei unterschiedliche Prozesse als Deutung möglich, die zusammengenommen bildhaft den Täufling beim symbolischen Unter- und Auftauchen im Inneren verwandeln sollen.
- • es geht in der Taufe um die Reinigung von den Sünden und um die Wiedergeburt im Heiligen Geist,
- • es geht um die Teilhabe an dem Tod Jesu, sowie an der geistlichen und leiblichen Auferstehung Christi,
- • und es geht um das Gericht über die Sünde und die Errettung vor dem Endgericht durch das Sühneopfer Christi.
Entsprechend kann die Taufe als Abbild und Symbol der geistigen und leiblichen Transformation des Gläubigen verstanden werden. Aus einem verlorenen, von Gott verworfenen und sterblichen Menschen der Sünde, wird der Getaufte vom geistlichen und ewigen Tod errettet, um auferstanden und unsterblich zu einem neuen Menschen in Christus verwandelt zu werden, eingegliedert in den irdischen (vergänglichen) und eschatologischen (ewigen) Leib der Gemeinde Christi. Somit wird die Taufe in ihrem Gesamtsinn (als Wassertaufe und Geisttaufe) zum Sinnbild dafür, dass der gefallene Mensch getötet und zum Bilde Gottes neu erschaffen, verherrlicht und zum Erbe im Reich Gottes wiederhergestellt wird (1. Petrus 1, 3-4) .
Die Taufe als Sinnbild von Reinigung und Wiedergeburt im Geist
Durch das Eintauchen in das Wasser wird das Abwaschen der Sünde symbolisiert und im Auftauchen die Wiedergeburt und Auferstehung zum neuen Leben in Christus. Im ersten Prozess darf der alte schuldbeladene Mensch der Sünde in der Taufe sterben und im zweiten Prozess darf der Getaufte sich aus dem Wasser als ein neuer Mensch erheben, erneuert durch den Heiligen Geist und gereinigt von seiner Schuld und seinen Sünden durch das Blut Christi.
So ist die christliche Taufe nicht nur ein isoliertes Ereignis der Reinigung von den Sünden durch den Tod der alten sündigen Identität im Wasser, sondern die Taufe ist auch immer mit der Gabe des Heiligen Geistes verbunden, der dem Täufling symbolisch beim Auftauchen geschenkt wird.
Den Zusammenhang zwischen dem Abwaschen und der Vergebung der Sünden in der Taufe sowie der Gabe des Heiligen Geistes macht Petrus in seiner Pfingstpredigt deutlich, als sich an nur einem Tag ca. 3000 Menschen von ihm taufen ließen
Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.
(Apg. 2,38 / LUT)
Auch in der Taufe Jesu durch Johannes können wir den Zusammenhang zwischen der Wassertaufe und der Gabe des Heiligen Geistes sehen. Als Jesus stellvertretend für die Sünder die Bußtaufe des Johannes nahm und getauft aus dem Fluss Jordan stieg, kam die Taube als Symbol des Heiligen Geistes auf IHN herab.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
(Matthäus 3,16 / LUT)
Auch die Jünger von Johannes dem Täufer, die von Paulus die Taufe auf den Namen Jesu bekamen, empfingen durch Handauflegen den Heiligen Geist:
Als sie (die Jünger des Johannes) es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen; (6) und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten in Sprachen und weissagten. (7) Es waren aber insgesamt etwa zwölf Männer.
(Apg. 19, 5-7 / ELB)
Doch so schlüssig zunächst die Reihenfolge zwischen Taufe und dem Empfang des Heiligen Geistes erscheinen mag, lehrt die Schrift, dass es keine zwingende Reihenfolge oder einen Wirkzusammenhang zwischen der Wassertaufe und dem Empfang des Heiligen Geistes gibt.
Es gibt genug Beispiele in der Bibel, ja es ist sogar fast die Regel, dass es erst zur Bekehrung und Wiedergeburt im Heiligen Geist kommt, ehe die Taufe im Nachgang als Zeichen der Bekehrung vollzogen wurde. So ließ sich Kornelius erst taufen, nachdem er als Gottesfürchtiger aus den Nationen den Heiligen Geist empfangen hatte und Petrus sprach
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?«
(Apg. 10,47 / EIN)
Als der Kämmerer aus Äthiopien aus Jerusalem kommend auf seinem Heimweg von Philippus durch das Evangelium bekehrt wurde, »[…] da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert mich, dass ich mich taufen lasse?« (Apg. 8,37)
Aber woran liegt es dann, dass die Wassertaufe keine geistliche Wirkung auf den Menschen entfaltet?
Es liegt daran, dass physisches Wasser keinen Einfluss auf die Veränderung des inneren Menschen hat. Nur der Heilig Geist kann den Menschen im Inneren erneuern.
Schaut man genauer auf die Wirkungen des Heiligen Geistes, wird deutlich, dass der Heilige Geist nicht nur dem Gläubigen ein neues Herz und einen neuen Sinn in Christus schenkt, sondern sinnbildlich »im Bad der Wiedergeburt« (Titus 3,5) auch die Reinigung von den Sünden im Täufling bewirkt. Der Getaufte wird zwar symbolisch mit dem Wasser der Taufe von seinen Sünden gereinigt, aber unabhängig von der eigentlichen Taufhandlung mit physischem Wasser wird der Gläubige nur durch das Blut Christi und die Taufe mit dem Heiligen Geist von seinen Sünden gereinigt. Deshalb sagte Johannes der Täufer:
Ich habe euch mit Wasser getauft, ER aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.
(Mk. 1,8)
Noch anschaulicher wird der Vers, wenn man das Wort »taufen« durch das griechische Wort »baptizo« in der möglichen Bedeutung mit »waschen« übersetzt:
»Ich habe euch mit Wasser gewaschen, ER aber wird euch mit Heiligem Geist waschen.
(Mk. 1,8)
Wenn der Heilige Geist also sinnbildlich waschen, d. h. reinigen kann, bedeutet das, dass die Reinigung (Waschung) von den Sünden ein Werk des Heiligen Geistes ist, genauso wie Titus 3,5 den Vorgang der Wiedergeburt symbolisch als Bad der Wiedergeburt mit reinigendem Wasser bezeichnet. Als Jesus zu Nikodemus sprach »[…] Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.« (Johannes 3,5), spricht Jesus hier nicht, wie manche Ausleger meinen, vom physischen Wasser der Taufe, sondern von dem Wasser als eine reinigende Kraft des Heiligen Geistes.
Jesus spricht nicht von einer leiblichen Waschung, sondern von einer geistlichen Waschung [4] , wenn er sagt, dass sein Wort des Evangeliums den Gläubigen in Christus von seinen inneren Sünden reinigt: »Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe« (Joh. 15,3). Paulus ergänzt, dass es Jesus selbst ist, der die Gläubigen heiligt und reinigt, »durch die Waschung mit Wasser durch das Wort« (Eph. 5, 26). Im Zusammenhang mit der Wiedergeburt wird das Wasser entsprechend als reinigendes Element des Geistes beschrieben, wenn Titus z.B. vom Bad der Wiedergeburt spricht.
hat er (Jesus) uns gerettet - nicht aufgrund von Werken der Gerechtigkeit, die wir vollbracht haben, sondern nach seinem Erbarmen - durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist.
(Titus 3,5 / EIN)
Wenn Jesus also von der Geburt aus Wasser und Geist spricht, ist die Deutung möglich, dass Jesus den Vorgang der Wiedergeburt ähnlich wie bei der symbolischen Taufe mit Wasser als einen zweifachen geistlichen Prozess beschreibt, der den Menschen einerseits von seinen Sünden reinigt und andererseits im Geiste neues Leben schenkt.
Bei dieser Deutung, wäre die Taufhandlung das äußere Abbild dessen, was im Inneren des Menschen bei seiner Wiedergeburt geschieht. Durch das Bad seiner Wiedergeburt wird der Bekehrte sowohl innerlich von seinen Sünden reingewaschen als auch in seinem Geist neu geboren oder nach dem Urtext genauer übersetzt eine »neue Schöpfung«, ein neues menschliches Wesen aus Gott geboren.
Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung (κτίσις – ktisis) [5] : Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
(2. Korinther 5,17 / EIN)
In diesem Vers wird beschrieben, dass Gott tatsächlich in einem geistlichen Schöpfungsakt ein vollkommen neues menschliches Wesen (Luther übersetzt »eine neue Kreatur«) [6] erschafft, welches in Christus Anteil an der göttlichen Natur bekommt. (2. Petrus 1,4)
Die Taufe als Bild für die Reinigung des Gewissens
Wenn im Zusammenhang mit der Wiedergeburt von Wasser gesprochen wird, geht es immer nur um eine innere, also geistliche Reinigung von Schuld und Sünde durch das Wort Gottes, und nicht nur um die Abwaschung der Unreinheit des Leibes. Dieses Bild der inneren Reinigung im Zusammenhang mit der Taufe greift Petrus auf, wenn es um die Reinigung des Gewissens geht.
Das Gewissen ist ja der Teil des Bewusstseins, der zwischen Gut und Böse unterscheiden kann und in jedem Menschen vorhanden ist (Römer 2,14-15). Im Laufe des Lebens wird das Gewissen mit den Sünden des Menschen belastet und wird zum stillen Zeugen gegen ihn und zum Ankläger seiner Taten, die ihn einmal vor Gottes Gericht bringen werden. Sprechen wir also von der Vergebung der Sünden, geht es in diesem Zusammenhang auch um die Reinigung des schlechten oder bösen Gewissens als Speicher unserer bösen und gottlosen Taten. Ein gereinigtes und gutes Gewissen kann nur der Mensch bekommen, der durch das Blut Jesu nicht mehr wegen seiner Sünden angeklagt und verurteilt werden kann.
Petrus betont, dass es bei der Taufe »nicht um ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches geht, sondern auch um die Bitte eines guten Gewissens vor Gott durch die Auferstehung Jesu.« (1. Petrus 3,21) Denn nicht nur der Leib wird vom Schmutz der Sünde gereinigt, sondern auch »[…] die Herzen besprengt und so gereinigt vom bösen Gewissen […]« (Heb. 10,22)
In Hebräer 9,9-10 wird entfaltet, dass nicht Gaben, Opfer und leibliche Reinigungen nach dem alten Bund uns ein gutes (vollkommenes) Gewissen schenken können, sondern nur »[…]das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken (zu) reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen« (Hebräer 9,14 / EIN)
Es ist also der ewige Geist Gottes in Christus, der durch das Blut Christi als ein vollkommenes Opfer vor Gott dargebracht, unser Gewissen gereinigt hat. Eine Reinigung des Gewissens, die weder durch Waschungen im Alten Bund noch durch die Wassertaufe im Neuen Bund erzielt werden könnte.
Weitere Sinnbilder der Taufe
Schauen wir auf die einzelnen Elemente der Taufe (Wasser, Feuer, Eintauchen, Auftauchen) stellen sie Sinnbilder oder Abbilder für die dahinterliegenden geistlichen Wahrheiten dar. Wir sahen, dass das Wasser für die Reinigung bzw. das Abwaschen der Sünden stehen kann und das Auftauchen für den Empfang und die Wiedergeburt im Heiligen Geist.
Jesus und seine Taufe in den Tod
Ein weiteres Sinnbild der Taufe ist der Sühnetod Jesu am Kreuz. Im Markusevangelium wird berichtet, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem seinen Jüngern von seinem bevorstehenden Leiden, seiner Verurteilung zum Tode und seiner Auferstehung erzählt (Mk. 10,33-34). Dort bezeichnet er seinen bevorstehenden Tod als eine Taufe (Mk. 10,38) und kündigt auch seinen Jüngern Jakobus und Johannes an, dass sie ebenso wie Er einmal in den Tod getauft werden, d. h. in Verfolgung sterben werden (Mk. 10,39) . In Lukas spricht Jesus von seinem künftigen Sühnetod als eine Taufe, die ihn bedrängt, bis sie vollbracht ist (Lk. 12,50) .
Die Taufe als ein Bild von Tod (Kreuz) und Auferstehung
In Römer 6 entfaltet Paulus den Gedanken von der Taufe des Gläubigen in den Tod und dem neuen Leben in Christus. Dabei stellt er klar, dass der Gläubige auch unter der Gnade der Vergebung nicht mehr in der Sünde weiterleben darf, sondern für ein Leben in Sünde tot sein soll. So stellt er die rhetorische Frage:
»Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?«
(Römer 6,3 / EIN)
Paulus argumentiert, dass der Tod unseres alten Selbst bzw. unseres alten sündigen Menschen Vergebung und Befreiung bedeutet, »denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.« (Römer 6,7) Von der Sünde Abschied zu nehmen, das eigene sündige Leben zu begraben, d. h. in den Tod zu geben, ist nach Paulus überhaupt erst die Voraussetzung, um Anteil am neuen Leben und an der Auferstehung in Christus zu haben. So heißt es in Römer 6,4:
So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, damit, so wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.
(Römer 6,4 / CSV)
Paulus stellt mit dieser Aussage unseren Glauben auf den Prüfstand. Wenn wir Anteil an Jesu Auferstehung haben möchten, schließt das auch mit ein, dass wir Anteil an seinem Tod haben müssen. Nicht in dem Sinne, dass wir etwas zu seinem Sühnetod hinzufügen oder unsere Vergebung durch unsere Selbstaufopferung erringen können, sondern dass wir unser sündiges Leben mit Jesus mitkreuzigen lassen sollen, damit wir der Sünde nicht mehr wie Sklaven dienen. (Römer 6,6) . Paulus meint, dass das Sterben mit Christus die Voraussetzung dafür ist auch mit ihm zu leben.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
(Römer 6,8)
Aber es geht in der Taufsymbolik nicht nur um das innere Absterben von seinen Sünden und die Absage an die Welt der Begierden, sondern auch um das Mitsterben in der Nachfolge Christi. Es ist in der „modernen Verkündigung“ populärer und einfacher, sich als „Bekehrter“ mit Christus als »die Auferstehung und das Leben« (Johannes 11,25) zu identifizieren, als mit seinem Leiden und seinem Tod. Doch die Bibel spricht davon, dass Nachfolge nicht nur Freude und Frieden mit Gott bedeutet und zum ewigen Leben führt, sondern im Prozess der Heiligung und Läuterung auch zu Leid, Verfolgung und Mitsterben im Namen Christi führen kann. Ausdrücklich erwähnt Paulus, dass zur Erlangung des verheißenen Erbes auch das Mitleiden mit Christus gehört:
Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. (17) Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir nämlich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.
(Römer 8,16-17 / CSV)
Aber es gibt noch ein drittes Sinnbild der Taufe, wenn es um den Tod und die Auferstehung geht. Neben der inneren Transformation von einem Leben in tödlichen Sünden zum Leben in Christus und dem Mitsterben und der Mitverherrlichung in der Nachfolge Christi, kann die Taufe auch als Sinnbild des realen physischen Todes und der realen physischen Auferstehung der Gläubigen verstanden werden. Im Kolosserbrief spricht Paulus von der leiblichen, d. h. physischen Auferstehung im künftigen Leben durch die Kraft Gottes.
Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
(Kolosser 2,12 / (EIN)
Der Geist im wiedergeborenen Gläubigen ist nicht nur eine Kraft des Glaubens und Ausdruck des neuen Lebens in Christus, sondern hat auch die Macht und Kraft, die leiblich gestorbenen Gläubigen lebendig zu machen, nämlich in der gleichen Weise, wie Jesus am Ostermorgen durch die Kraft des Geistes auferweckt wurde.
Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes.
(Römer 8,11 / CSV)
Noch heute gibt es in der orthodoxen Kirche [7] den Brauch des dreimaligen Untertauchens des Täuflings als Symbol für die drei Tage Christi im Grab und sein Auftauchen als Teilhabe an der Auferstehung Christi.
Das Wasser der Taufe als ein Bild von Gericht und Errettung
Noah
Im ersten Petrusbrief redet Petrus von dem Gericht der Sintflut zur Zeit Noahs und über den Bau der Arche und über die Errettung der acht Seelen durch das Wasser hindurch. In Genesis 6,5-7 erfahren wir, den Grund des gewaltigen und umfassenden Gerichts Gottes über die Menschen:
Der HERR (JHWH) sah, dass auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den HERRN (JHWH), auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh. (7) Der HERR (JHWH) sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen, mit ihm auch das Vieh, die Kriechtiere und die Vögel des Himmels, denn es reut mich, sie gemacht zu haben.
(Genesis 6,5-7 / EIN)
Möglicherweise auch durch den Einfluss der in 1. Mose 6,1-4 beschriebenen Fall der Engel aus den himmlischen Regionen (Judas 1,6) , die sich mit den „Menschentöchtern“ paarten und gewalttätige Riesen und Herrscher zeugten, wurde die Menschheit in einem so unvorstellbaren Ausmaß bösartig, verdorben und rebellisch, dass Gott die Menschheit bis auf die Familie Noah in den Wassern der Flut vernichtete. So wurde das Wasser zum Symbol des umfassenden Gerichts Gottes über die Menschen, welches Tod und Vernichtung über die Gottlosen bringt; zugleich wurde die Arche zum Synonym der Rettung und des Schutzes vor dem Gericht Gottes. Genau dieses Bild der Vernichtung und Errettung greift Petrus auf, wenn er von dem Wasser der Taufe spricht. Petrus sagt über Errettung Noahs und seiner Familie: »Das ist ein Abbild (gr. ἀντίτυπον – antitypon) [8] der Taufe, die jetzt auch euch rettet. […]« (1. Petrus 3,21) Für Petrus ist das Gerichtshandeln der Sintflut und die Errettung Noahs ein prophetischer Typus auf Christus, der die Gemeinde vor dem künftigen Gericht zur Verdammnis retten wird. Dabei steht die Arche für den Schutzraum der Gemeinde in Christus, die in der Arche, d. h. »in Christus« durch das Sühneopfer Jesu am Kreuz zwar mit in den Tod getauft werden muss, aber wie einst Noah durch das Wasser des Todes errettet wird, nämlich durch das Blut Christi vor dem großen Tag des Gerichts, der über alle Menschen kommen wird (Psalm 9,8-9) . Das ist der große Trost der Gläubigen, dass sie »in Christus« vor dem Zornesgericht Gottes verschont werden, ebenso wie Noah und seine Familie »in der Arche« vor dem Zornesgericht der Flut verschont wurden.
»So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind.« (Römer 8,1)
»Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.« (Joh. 5,24 / CSV)
»Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Zorn gerettet werden.« (Römer 5,9)
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Das Wesen der Taufe
Die christliche Wassertaufe ist ein von Jesus eingesetztes Sakrament (Matthäus 28,19) für die Gemeinde des neuen Bundes, das in erster Linie zeichenhaft für das Erkennen und Bekennen der Sünden, das Abwaschen von Schuld und Sünde durch das Blut Christi und die Erneuerung des Getauften durch den Empfang des Heiligen Geistes steht. Doch die Taufe ist mehr als nur ein Sakrament. Werfen wir einen Blick auf das Wesen der Taufe und auf die geistlichen Wahrheiten und Prozesse, die hinter der von Jesus angeordneten Wassertaufe stehen

Kreuz und Identität
Am Kreuz dürfen wir uns von unserer alten Identität als gottferne Sünder trennen und uns zum neuen Menschen in Christus verwandeln lassen. Das Kreuz ist nicht nur der Ort an dem Jesus unsere Schuld bezahlt hat, sondern auch der Ort, an dem wir frei von Schuld und Sünde ein neues Leben beginnen dürfen.
Mit dem Hinweis auf die Errettung Noahs, sieht Petrus damit die Taufe als ein Abbild des Gericht Gottes über die Sünde der Gottlosen und die Errettung der Gläubigen »in Christus« vor dem künftigen Feuergericht, das einmal über die Menschen kommen wird. So wie Noah durch die Tür zur Arche einging und vor dem Gericht über die Welt errettet wurde, spricht Jesus von sich als der Tür, die zur Errettung führt:
Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; […]
(Johannes 10,9 / EIN)
Nicht nur Petrus, sondern auch Jesus zog eine Parallele zwischen dem Gericht am Ende der Zeiten und dem Gericht Noahs, als er sprach:
Und wie es in den Tagen Noahs geschah, so wird es auch in den Tagen des Sohnes des Menschen sein: [27] Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet, bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging; und die Flut kam und brachte alle um.
(Lk. 17,26-27 / CSV)
Schauen wir nun auf weitere Ereignisse aus dem Alten Testament, die christologisch auf die Taufe gedeutet werden können, wenn vom Gerichtshandeln Gottes und der Rettung seiner Erwählten durch das Wasser gesprochen wird.
Mose
Im 2. Mose 2 (Exodus) wird die Geschichte von Mose erzählt, wie er von seiner hebräischen Mutter in einen kleinen Korb (hebr.: תֵּבָה – tebah) gelegt und in das Wasser des Nils ausgesetzt wurde. Das hebräische Wort für den Korb ist »tebah« [9] und wird in der Bibel sonst nur für die Arche verwendet und wird damit zum Synonym für die Rettung Mose aus den tödlichen Fluten des Wassers durch die Tochter des Pharaos. In 2. Mose 2,10 wird uns die Herkunft des Namens »Mose« offenbart, als derjenige, »der aus dem Wasser gezogen wurde«.
In 2. Mose 14,1-31 wird die dramatische Geschichte vom Durchzug des Volkes Israels durch das Schilfmeer und dem Untergang des nachjagenden Kriegsheeres des Pharaos erzählt. Mose als der von Gott eingesetzte Führer und Befreier seines Volkes aus der ägyptischen Sklaverei schien verloren, als die Reiterheere des Pharaos das flüchtende Volk Israels fast einholten. In aussichtloser Lage rettete Gott sein auserwähltes Volk, indem er es durch das geteilte Wasser des Roten Meeres führte und auf trockenes Land brachte (Exodus 14,29-30), während die nachfolgenden Ägypter in den zurückstürzenden Fluten des Meeres ertranken (Exodus 14,27-28). Auch hier haben wir erneut einerseits das Bild der Errettung des Gottesvolkes aus Tod und Sklaverei durch die Wasserfluten hindurch und andererseits das Bild des Gerichts an den gottlosen Nationen (Ägypten), die im Meer ertranken.
Josua
Auch im Buch Josua führt Gott das Volk aus der Wüste heraus, und sie durchqueren erneut das Wasser, um in das von Gott verheißene Land gelangen zu können. Ähnlich wie bei Mose teilt sich unter der Führung seines Nachfolgers Josua das Wasser zu beiden Seiten wie ein Damm (Josua 3,16), sodass die Israeliten trockenen Fußes durch das Flussbett des Jordans auf die andere Seite des Ufers gelangen konnten. Die Durchquerung durch das reißende Wasser des Jordans gelang allerdings nur, weil Gott als Immanuel [10] in der Bundeslade gegenwärtig war (Josua 3,11) , als die Priester mit ihr mitten im Fluss warteten, bis das Volk durchzog. (Josua 3,17) .
Ähnlich wie bei Mose bei seinem Durchzug durch das Rote Meer, kann der Durchzug Israels durch das Wasser des Jordans unter der Führung Josuas christologisch, d. h. als typologisches Vorausbild auf Christus gedeutet werden. Schon sprachlich entspricht bereits der Name Josua (יְהוֹשֻׁעַ – Jehoschua) dem Namen Jesus. Beide Namen bedeuten »JHWH rettet«. [11] So bildet auf eindrucksvolle Weise der Name Jesus sein ureigenes göttliches und liebendes Wesen ab, nämlich in seiner Funktion und in seinem Handeln als Retter der Menschen, die ihm vertrauen und für die er sein Leben hingibt. So kann der Durchzug Israels durch den Jordan zum Sinnbild des Durchgangs des Gläubigen aus der Wüste und dem Gericht des Todes in das ewige Leben gedeutet werden.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.
(Joh. 5,24 CSV)
So lassen sich beide Errettungstaten von Jehoschua und Jesus sinnbildlich übereinanderlegen: Gott (JHWH) führt durch Josua sein Volk durch das trennende und tödliche Wasser des Jordans hindurch in das verheißene Land und Gott (JHWH) sendet seinen Sohn, um durch sein Blut die Gläubigen durch Tod und Gericht hindurch ins verheißene ewige Leben zu führen. Der Jordan markiert dabei symbolisch die Grenze zwischen Wüste und versprochenem Land, zwischen irdischer Wanderschaft und verheißenem Erbe und wird zum Übergang vom Tod ins Leben. Damit erinnert der Durchgang durch das Wasser des Jordans an die Taufe und das Hinübergehen in das neue Leben.
» Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?« (Römer 6,3)
» Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.« (Römer 6,8)
In der Figur Josua kann Jesus als typologisches Vorausbild verstanden werden, der den Sinnzusammenhang zwischen dem Durchzug Josuas durch den Jordan und der Taufe zum ewigen Leben herstellt. Nämlich als er sich selbst stellvertretend für die Sünder im Jordan taufen ließ, um uns am Ende seines Lebens durch Kreuz und Auferstehung und der Gabe des Heiligen Geistes sein Volk des neuen Bundes zum ewigen Leben zu führen.
Vorläufer der christlichen Taufe (AT)
Taufe der Juden
Als Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa auftrat und die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden predigte, kamen die gottesfürchtigen Menschen aus Jerusalem, aus Judäa und aus dem Jordanland (Mt. 3,5-6), aber auch die Pharisäer und Sadduzäer, um sich taufen zu lassen. Entsprechend muss der Aufruf zur Taufe zur Abwaschung und Vergebung der Sünden damals unter den Juden nichts Außergewöhnliches gewesen sein, sonst wären nicht so viele dem Aufruf des Johannes gefolgt. Doch welche Hinweise gibt es im Alten Testament, die von einer jüdischen Taufpraxis oder von rituellen Vorläufern einer Taufe sprechen?
Die alttestamentarischen Waschungen
Im Hebräerbrief 9,10 geht der Verfasser darauf ein, dass die rituellen Waschungen nach dem jüdischen Gesetz äußerliche Vorschriften sind, die nur so lange in Kraft bleiben, bis Gott die Reinigungsrituale durch eine bessere Ordnung in Christus ersetzen wird.
es handelt sich nur um Speisen und Getränke und allerlei Waschungen (βαπτισμός – baptismos) [12], äußerliche Vorschriften, die bis zu der Zeit einer besseren Ordnung auferlegt worden sind.
(Hebräer 9,10 / EIN)
Im griechischen Urtext steht für das Wort »Waschungen« das Wort »baptismos«, welches verwandt ist mit dem Wort »baptizo«, was »taufen« bedeutet. Das bedeutet, dass sich der Taufbegriff sprachlich zum Teil aus den rituellen Waschungen und Reinigungen der jüdisch priesterlichen Gesetzgebung im Dienst am Heiligtum herleiten lassen kann. (2. Mose 30,18–21) Das Gesetz des Mose kennt bei bestimmten Verunreinigungen, ähnlich wie bei der Wassertaufe, leibliche Waschungen des gesamten Körpers (3. Mo 14,8 und 3. Mose 15,5). So war im hebräischen Denken die Vorstellung verankert, dass ohne Waschungen niemand sich im Zelt der Begegnung (Stiftshütte) der heiligen Gegenwart Gottes nähern konnte, weil man sonst Gefahr lief, in seinem unreinen Zustand sein Leben zu verlieren.
Sie sollen sich ihre Hände und Füße waschen, damit sie nicht sterben. […]«
(2. Mose 30,21)
So ist es auch noch heute. Niemand kann im geistlichen Sinn unrein in das Reich Gottes eintreten oder vor IHN treten (Offb. 21,27) , wenn ihm nicht durch das Blut Christi seine Sünden abgewaschen wurden (Offb. 22,14) . So kam aus dem Alten Bund der leiblichen Waschungen die neue Ordnung der innerlichen Waschung durch Wasser und Geist im Bad der Wiedergeburt (Titus 3,5), wofür die Taufe mit Wasser ein Bild wurde.
Hesekiel: Reinigung des Herzens und ein neuer Geist
Im Alten Testament bezogen sich die Waschungen aber nicht nur auf die Unreinheit des Leibes, sondern das Wasser wurde auch symbolisch mit der Reinigung des Herzens verbunden.
Wascht euch, reinigt euch! / Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! / Hört auf, Böses zu tun!
(Jesaja 1,16 / EIN)
Schon immer kam es JHWH darauf an, dass die Verehrung Gottes und der Dienst am Tempel mit innerer Buße und rechter Herzenshaltung einhergeht. Wenn David in Psalm 51,4 spricht: »Wasche mich völlig von meiner Schuld […]«, dann möchte er nach seinem Ehebruch mit Bathseba eine innere Reinigung von seinen Sünden und nicht eine äußere Reinigung seines Leibes. Spätestens in der prophetischen Rede Hesekiels wird deutlich, dass rituelle Waschungen als ein Hinweis auf den Neuen Bund (die neue Ordnung in Christus) gedeutet werden können, der uns Reinigung durch die Wiedergeburt durch Wasser und Geist schenkt.
Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinheiten und von allen euren Götzen werde ich euch reinigen. (26) Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. (27) Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechte bewahrt und tut.
(Hesekiel 36,25-27 / CSV)
Vergleichen wir die Aussagen Hesekiels (siehe auch Tabelle) mit denen von Petrus über die Taufe, sehen wir, dass schon im jüdischen Denken des AT gedanklich und prophetisch der Grundstein für die kommende Taufe im Namen Christi gelegt wurde. Das reinigende Wasser Hesekiels wird zum Vorläufer der Taufe durch die die Sünden vergeben (abgewaschen) werden, und das neue Herz und der neue Geist werden zum neuen Leben in Christus, durch den Empfang und die Wiedergeburt im Heiligen Geist.
Hesekiel 36
Apostelgeschichte 2
»(25) Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen (Taufe) und ihr werdet rein sein; von allen euren Unreinheiten (Vergebung) […] (26) Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist […] (27) Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben (Empfang des Heiligen Geistes) […]« (CSV)
»(38) Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.« (LUT)
Beschneidung und Taufe:
Aber auch die alttestamentarische Beschneidung verbindet Paulus mit der neutestamentlichen Taufe indem er von der »Beschneidung Christi« spricht, die eine Beschneidung ohne Hände ist.
So sagt Paulus:
In ihm (Jesus) seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, ⟨sondern⟩ im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus, (12) mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.
(Kol. 2,11-12 / ELB)
Die körperliche Beschneidung des Alten Bundes war ein äußeres Bundeszeichen mit dem Volk Israel, während man die »Beschneidung Christi« als eine innere, nicht mit Händen vollzogene Beschneidung des Herzens durch Jesus am Gläubigen interpretieren kann. Der Begriff »die Beschneidung des Herzens«, war schon zu Moses Zeiten bekannt. Es war der Aufruf Gottes, das Böse im Herzen sich sinnbildlich wegzuschneiden zu lassen, also aus Sünde und Boshaftigkeit des Herzens umzukehren (5. Mose 10,16) (5. Mose 30,6) (Jeremia 4,4) .
Doch Paulus bezieht im Kolosserbrief die Beschneidung auf das Bild des »Ausziehens des Leibes des Fleisches«. Damit meint Paulus nicht primär den physischen Körper, sondern interpretiert die Beschneidung Christi als das generelle Ablegen bzw. Sterben der alten sündigen Existenz, welche unter der Herrschaft der Sünde steht. Bei dieser Interpretation steht die Beschneidung für den Tod des sündigen Wesens des Gläubigen verbunden mit dem Sterben Christi. [13] Mit Christus in den Tod getauft zu werden (Römer 6,3) , bedeutet damit für den Gläubigen seine Sünde mit IHM in der Taufe begraben zu dürfen. Der Tod mit Christus bedeutet dadurch Vergebung und Befreiung. »denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.« (Römer 6,7) Wird der alte Mensch mit Christus geistlich in den Tod beschnitten, so folgert Paulus, hat er durch die Verheißung des Glaubens damit auch Anteil an der Kraft Gottes zur Auferstehung, die Jesus aus den Toten auferweckt hat (siehe oben: Kol. 2,12).
Proselytentaufen im Judentum
Wir hatten oben gesehen, dass Paulus und Petrus die rituellen Waschungen und die Beschneidung christologisch auf die Taufe deuteten und sahen, dass Jesaja prophetisch auf die Taufe und Wiedergeburt im Heiligen Geist des neuen Bundes zeigte.
Doch gab es neben den durch das Gesetz Mose verordneten Waschungen, bereits jüdische Taufen, die ein Zeichen für die Bundeszugehörigkeit zum Volk Israel dokumentierten?
Leider finden wir in der Bibel dafür keine belastbaren Anhaltspunkte. Es gibt zwar hin und wieder im Alten Testament Geschichten über Abwaschungen von leiblichen Unreinheiten (Aussatz), sogar im Fluss Jordan (2. Könige 5,10 und 14) an dem später Johannes der Täufer taufen sollte, doch die Waschungen galten nicht als Zeichen einer Bundeszugehörigkeit, wie beispielsweise die im Gesetz des Mose geregelte Beschneidung.
Jüdische Waschungs- und Taufriten für Heiden, die zum Judentum übertraten (sogenannte Proselyten) , sind nicht biblisch dokumentiert. Proselyten als Nichtjuden mussten sich allerdings ebenso wie die Juden dem Recht und Gesetz Mose unterwerfen (4. Mose 15,14–16) und zur Aufnahme als Bundeshandlung beschnitten werden (2. Mose 12,48).
Nachchristliche rabbinische Quellen berichten von Reinigungen, denen sich Proselyten vor dem Passahmal unterziehen mussten und von Anweisungen im Talmud ähnlich einer Taufe mit Untertauchen und Auftauchen im Wasser:
»Zwei Schriftgelehrte stehen neben ihm (Proselyt) und machen ihn mit manchen der leichteren und manchen der strengeren Gebote bekannt. Nachdem er untergetaucht und heraufgestiegen ist, gilt er in jeder Beziehung als Israelit.« (Babylonischer Talmud Yevamot 47b) [14]
Dennoch sind die rabbinischen Quellen bezüglich einer Proselytentaufe kein zwingender Beleg dafür, dass es zur Zeit des Johannes bereits Vorläufer einer jüdischen Taufe gab, da die rabbinischen Texte erst Jahrhunderte nach Christus schriftlich fixiert wurden.
Qumran und die Essener
Die Schriftrollen von Qumran wurden 1947 entdeckt, als Beduinen auf ihrer Schatzsuche nahe den Höhlen am Nordwestufer des Toten Meers zufällig Tongefäße mit antiken Handschriften fanden und anschließend weitere Ausgrabungen (vor allem 1947–1956) rund 900 Texte zutage förderten. Viele Forscher verbinden die Schriftrollen und die nahe gelegene Siedlung Qumran mit der jüdischen Gemeinschaft der Essener, was allerdings keine zweifelsfrei gesicherte Hypothese ist. [15] Die Essener werden meist in der Zeit vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. verortet und waren eine asketische, gemeinschaftlich lebende Glaubensgruppe im antiken Judentum, die strenge Reinheitsregeln, gemeinsames Eigentum und messianische Erwartungen pflegte. Doch unabhängig davon, für welche Glaubensgemeinschaft die Qumrantexte die Grundlage bildeten, liegen die verfassten Schriftrollen zeitlich vor dem Auftreten von Johannes dem Täufer und deuten auf eine gelebte Praxis der Buße und Reinigung innerhalb von verschiedenen jüdischen Glaubensgemeinschaften (Sekten) hin. Besonders bemerkenswert ist die in der Schriftrolle 1QS (Abkürzung für: Höhle 1 / Qumran / Serekh, hebräisch: „Regel“) erwähnte Bedeutung der rituellen Reinheit durch Untertauchen, sowie die Entdeckung von fast zehn Mikwaot (rituellen Bädern) in Qumran. [16] In weiteren Qumran-Fragmenten wird von »gerechter Reinheit“ gesprochen für die, »die im Wasser baden« oder vom »Reinigen sein Volk in den Wassern des Bades« (4Q14 Fragment 12) [Fußnote 17]
Es ist naheliegend, dass die sogenannten „1QS-Gemeinderegeln“ [18] der messianischen Sekten aus den Höhlen von Qumran mit ihren Buß- und Reinigungsriten dem religiösen Umfeld des jüdischen Volkes, sowie den Schriftgelehrten (Pharisäern und Sadduzäern) bekannt gewesen sein mussten.
In diesem Klima der messianischen Sekten wollten möglicherweise Abgesandte der Pharisäer (Johannes 1,24), sowie Priester und Leviten herausfinden, aus welchem Geist und für wen Johannes der Täufer sprach und wer er eigentlich sei und fragten »Wer bist du?« (Johannes 1,19)
Die Taufe des Johannes zur Buße
In diesen Zeitgeist der allgemeinen messianischen Erwartung verschiedener jüdischer Sekten, wie die oben schon erwähnten Essener, fiel das Wirken von Johannes des Täufers.
Die Bibel berichtet, dass bevor Jesus öffentlich seinen Predigtdienst aufnahm, Johannes der Täufer zur Buße (Umkehr) und Taufe aufrief, um damit Jesus als den prophezeiten Messias den Weg für sein Evangelium der Rettung zu ebnen (Markus 1,2-4) .
Damit wurde Johannes zum Bindeglied zwischen dem Alten und dem Neuen Bund, indem er mit seiner Taufe das jüdische Bundesvolk ermahnte, an den zu glauben, der nach ihm kommen würde, »das ist an Christus Jesus« (Apg. 19,4; Joh. 1,9.36).
Johannes wurde von Gott gesandt, »um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.« (Johannes 1,6-7) Die Bibel berichtet, dass Johannes von Gott zum Glaubensvorbereiter des angekündigten Messias eingesetzt wurde, um auf das Lamm Gottes zu zeigen, »das hinwegnimmt die Sünde der Welt.« (Johannes 1,29) Irritiert von seinem Auftreten und seiner Vollmacht zu taufen, fragten die jüdischen Gelehrten den Johannes wer er sei. Doch Johannes kannte seinen Auftrag »als eine Stimme eines Predigers in der Wüste« und verstand sich in seinem Selbstzeugnis weder als der verheißene Messias, noch als Elia [19] oder als ein Prophet.
Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elija und nicht der Prophet? (26) Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt,
(Johannes 1,25-26 / EIN)
Wie bereits erwähnt, trat Johannes der Täufer in der Wüste von Judäa auf und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden (Mk. 1,4) (Lk. 3,3) . Zu ihm kamen die gottesfürchtigen Juden aus Jerusalem, aus Judäa und aus dem Jordanland (Mt. 3,5-6), um ihre Sünden zu bekennen und sich von Johannes im Jordan taufen zu lassen. Johannes selbst sagte, er taufe mit Wasser zur Umkehr und grenzte sich dadurch von der Taufe Jesu ab, »der euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen wird.« (Mt. 3,11)
Der Zusammenhang zwischen echter innerer Buße und Vergebung der Sünden durch JHWH war schon im Alten Testament bekannt (Jesaja 55,7), weniger aber das nun durch Johannes neu eingeführte Reinigungsritual der Wassertaufe zum Abwaschen und Vergebung der Sünden, obwohl wir über die Vorläufer der Wassertaufe im Alten Bund bereits gesprochen haben (Kapitel 3)
Johannes rief nicht die Heiden zur Buße und Taufe, sondern den „Überrest“ des jüdischen Bundesvolkes, welches zur echten Umkehr bereit war. Für die jüdischen Gelehrten war somit der Aufruf von Johannes zur Buße und Reinigung von den Sünden eine Provokation, weil die Schriftgelehrten sich als gesetzestreue Nachkommen Abrahams und Erben der Verheißung sahen, die keiner inneren Umkehr bedürfen. Eben wegen dieser Selbstgerechtigkeit und fehlender innerer Demut vor Gott, stelle Johannes mit scharfen Worten die Echtheit ihrer Buße infrage.
Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt? (8) Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt,
(Mt. 3,7-8 / EIN)
Johannes tauft Jesus
Die Taufe Jesu durch Johannes wird in Markus 1,9-11; Lukas 3,21-22; Johannes 1,32-34 und Matthäus 3,13-17 beschrieben.
Jesus identifiziert sich mit den Sündern
Ein besonderes Ereignis stellt die Taufe Jesu durch Johannes dar. Jesus kam aus Nazareth in Galiläa, um sich von Johannes im Wasser des Jordan taufen zu lassen. Im Lukasevangelium heißt es, dass er sich zusammen mit dem ganzen Volk taufen ließ (Lukas 3, 21). Das bedeutet, dass sich der, der ohne Sünde war, in die Reihe der bußfertigen Sünder seines Volkes stellte. Das irritierte Johannes so sehr, dass er zunächst Jesus nicht taufen wollte und die Frage stellte »[…] Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?« (Matthäus 3,14) Johannes wusste prophetisch, dass Jesus »das Lamm Gottes war, das die Sünde der Welt hinwegnimmt« (Johannes 1,29). Wie konnte Jesus dann unter all die wartenden Menschen am Jordan treten, als hätte ER Umkehr, Taufe und Vergebung seiner Sünden nötig?
Jesus gab Johannes darauf eine vielsagende und bemerkenswerte Antwort:
[---] Lass es (die Taufe) jetzt geschehen. Denn so gehört es sich für uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Daraufhin lässt er es ihm zu
(Matthäus 3,15 / CSV)
Jesus spricht hier von sich und Johannes im Plural, dass es »an uns liegt, die Gerechtigkeit zu erfüllen.« Jesus verbindet sein Wirken mit dem Wirken des Johannes als eine gemeinsame Aufgabe im Gehorsam gegenüber dem Heilsplan Gottes.
Johannes wurde von Gott gesandt (Johannes 1,6) , um Zeugnis vom Licht abzugeben und nach der Prophetie des Jesaja die Wege des Herrn vorzubereiten. Und Jesus wurde vom Vater gesandt (Johannes 8,42), um den Plan des Vaters vollständig und gehorsam auszuführen und dabei war die Taufe für ihn das Symbol und der Auftakt für seinen ersten bewussten Schritt in Richtung Kreuz. In Lukas stellt Jesus eine Verbindung zwischen der Taufe und dem Kreuz her, als Er von seinem künftigen Sühnetod am Kreuz spricht als eine Taufe, die ihn bedrängt, bis sie vollbracht ist (Lk. 12,50) .
So steht Jesus, der keine Sünde kannte (2. Kor 5,21) , stellvertretend bei denen, die durch die Taufe auf Befreiung ihrer Sünden hofften. Er steht bei dem bußfertigen Überrest aus seinem Volk, und nimmt den Platz der gottesfürchtigen, aber unerlösten Menschen ein, die ihre Sünden bekennen und auf ihre Erlösung durch den Messias hoffen. Schon hier dürfen wir das große Werk der Stellvertretung in der Weise bewundern, dass sich bereits in der Taufe des Johannes der Sohn Gottes mit all den Menschen identifiziert, die von ihren Sünden umkehren wollen, um dann am Kreuz von Golgatha erneut den Platz der Sünder einzunehmen, um für sie in den Tod getauft zu werden zur Vergebung ihrer Sünden.
Gott bestätigt die Identität Jesu als seinen Sohn
Nimmt Jesus als Gerechter in der Taufe den Platz des Sünders ein, um am Ende seiner Mission erniedrigt am Kreuz für den Gottlosen zu seiner Erlösung in den Tod getauft zu werden, offenbart Gott während der Taufe in aller Öffentlichkeit vor dem ganzen Volk die göttliche Identität seines Sohnes. Jesus ist kein Mensch wie all die anderen, die sich haben im Jordan taufen lassen. Denn als Christus aus dem Wasser heraufsteigt, spricht Gott aus dem Himmel »dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.«
Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der Himmel (22) und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
(Lukas 3,21-22 / EIN)
In der Taufe des Johannes gibt Gott den Menschen aus dem geöffneten Himmel das Zeugnis, dass es nicht nur um den Beginn des Erlösungswerkes des menschgewordenen Gottessohnes als den verheißenen Messias geht, sondern auch um das Wirken und Handeln des dreieinigen Gottes. Es ist das Gemeinschaftswerk des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, wenn es darum geht, dass Jesus den Weg des Opferlammes von der Taufe bis hin zum Kreuz zur Erlösung der Menschheit überhaupt gehen kann. Jesus handelt als Sohn Gottes nicht allein, sondern wurde vor der Grundlegung der Welt vom Vater zum Opferlamm erwählt (1. Petrus 1, 19-20) und zu seinem Erlösungswerk gesandt (Johannes 5,36). Er kam im Namen seines göttlichen Vaters (Johannes 5,43) und war der einzige Sohn des Vaters (Johannes 1,14). Er war mit ihm in Liebe verbunden (Johannes 10,17), um den Willen des Vaters im Gehorsam zu tun, (Johannes 5,30) ja sogar im Gehorsam bis ans Kreuz (Phil 2,8) .
Das Wirken des dreieinigen Gottes in der Taufe
Ebenso wie der Vater wirkt auch der Heilige Geist als dritte Person der Trinität am Erlösungswerk Christi mit. Bei der Taufe Jesu kommt der Geist sichtbar wie eine Taube auf ihn herab (Lukas 3,22) und salbt ihn zum verheißenen Messias (hebräisch: maschijach = Gesalbter; griechisch: Christos = Gesalbter) . Die Salbung ist kein physisches Öl, sondern ein biblisches Bild dafür, dass der Heilige Geist Jesus als den Christus, also als den verheißenen Messias und König in sein Amt beruft, einsetzt und bevollmächtigt. Der Geist, als Salbung von Gott gesandt (Apostelgeschichte 10,37-38) , erfüllt und autorisiert Jesus für seinen öffentlichen Dienst (Lukas 4,1.14) und setzt ihn ein für seine Mission (Lukas 4,18-19) ; er führt ihn auf seinem Weg des Gehorsams und wirkt durch ihn in Kraft und Vollmacht.
So offenbart die Taufe Jesu den Beginn des gemeinsamen Handelns des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bei der Erlösung der Menschen. In der Taufe Jesu können wir deshalb das vollkommene Zusammenwirken und die ganze Dreieinigkeit in Aktion sehen: Der Vater sendet, der Sohn ist gehorsam und vollbringt die Erlösung, und der Heilige Geist salbt, erfüllt und bevollmächtigt den Sohn zu seinem Werk.
In diesem Sinne zeigt das Wirken des dreieinigen Gottes bereits auf die spätere christliche Taufe, die Jesus seinen Jüngern gebietet:
Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
(Matthäus 28,19 / LUT)
Wie bei der Taufe Jesu der dreieinige Gott sichtbar handelt, so wird auch der Gläubige durch die christliche Taufe in die Gemeinschaft des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes hineingenommen.
Die christliche Taufe
Die Bedeutung des Namens in der Taufe
Wir hatten gesehen, wie bei der Taufe Jesu der dreieinige Gott sichtbar handelt, und so auch der Gläubige durch die christliche Taufe in die Gemeinschaft des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bildhaft mit hineingenommen werden soll. Ausdrücklich sagt Jesus zu den Jüngern, dass sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen sollen (Matthäus 28,19) .
Aber was bedeutet es eigentlich, auf einen bestimmten Namen getauft zu werden?
An der Taufe des Johannes sehen wir, dass die Taufe mit der Jüngerschaft zu dem Taufenden verbunden wird. In Apg. 19,1-7 lesen wir, dass Paulus zwölf Jünger des Johannes, die zuvor mit der Taufe der Buße des Johannes getauft wurden, erneut mit der Taufe im Namen des Herrn Jesus taufte, damit sie durch Handauflegen die Gaben des Heiligen Geistes empfangen konnten.
»Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen«
(Apg. 19, 5)
Auf den Namen getauft zu werden bedeutet, unter die Herrschaft und Zugehörigkeit dessen gestellt zu werden, dessen Name angerufen wird. Der Name hat maßgeblich mit der Nachfolge und Jüngerschaft zu tun, in die sich der Täufling begibt und mit den Gaben des Heiligen Geistes, die er als Gnadengaben von Gott erhalten darf. Nur im Namen Christi, erhält man die Geisttaufe, die über die Wassertaufe des Johannes hinausgeht (Mk. 1,8). Als Paulus getauft wurde, rief er den Namen Jesu an, um sich von seinen Sünden seiner Christenverfolgung abzuwaschen (Apg. 22,16) und wurde so zum treuen Jünger Christi und großen Apostel der Heidenmission.
Generell bedeutet im Namen von jemandem zu handeln, dass man nicht selbst handelt, sondern im Auftrag eines anderen. Die Jünger wurden von Jesus in die Welt gesandt, um das Evangelium in seinem Namen zu verkündigen, also im Auftrag und anstelle von ihm (siehe: Missionsbefehl). Durch den Heiligen Geist bekamen die Jünger in seinem Namen die Autorität bzw. Geistesgaben, beispielsweise im Namen Jesu Christi Geister auszutreiben (Apg. 16,18) , oder in seinem Namen zu heilen (Apg. 3,6) . Schon zu Lebzeiten Jesu, delegierte Jesus die Taufe an seiner Jünger (Johannes 4,2) , die in seinem Namen tauften, was zu einem großen Zulauf an Jüngern führte.
Dennoch gab es in den Gemeinden Streitereien, auch unter anderem wenn es um Tauffragen ging, sodass Paulus froh war nicht allzu oft taufen zu müssen (1. Kor. 1, 14). Es gab Parteiungen und einen Personenkult darum, wer denn der bessere Apostel oder Lehrer sei, was Paulus zu der Aussage veranlasste:
Wie? Ist Christus etwa zerteilt? Wurde denn Paulus für euch gekreuzigt? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft? (14) Ich danke Gott, dass ich niemanden unter euch getauft habe außer Krispus und Gaius, (15) damit nicht jemand sagen kann, ihr wäret auf meinen Namen getauft.
(1. Korinther 1,13-15 / EIN)
Abgrenzung zur Taufe des Johannes
So verweist die Taufe auf einen bestimmten Namen auf die Vollmacht und Autorität des Taufenden, sowie auf den Umfang der Lehre und die Jüngerschaft bzw. Zugehörigkeit der Täuflinge zu einer Gemeinde.
Die Bibel bezeugt uns, dass es Jünger von Johannes gab, die sich von ihm taufen ließen und ihm nachfolgten (Apg. 19, 3) . Mit dem Erscheinen Jesu begannen die Jünger Jesu auf seinen Namen zu taufen, sodass es nun zwei religiöse Lager und zwei Taufen zu geben schien. Das erzeugte sogar den Unmut der Schriftgelehrten, als sie merkten, dass Jesus mehr Jünger als Johannes für sich gewinnen konnte (Johannes 4,1).
Doch Johannes sah sich nicht als Religionsstifter mit einer eigenen Jüngerschaft und einer eigenen Taufpraxis, sondern lediglich als Wegbereiter für den verheißenen Christus (Apg. 19,4) sowie für die Taufpraxis des dreieinigen Gottes, die während der Taufe Jesu durch Johannes offenbar wurde.
Die Taufe des Johannes unterschied sich von der christlichen Taufe dadurch, dass sie nicht mit dem Heiligen Geist tauft.
»ch habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.
(Mk. 1,8)
Die Taufe des Johannes führte als Zeugnis der Getauften „nur“ zur Umkehr und Buße durch die Erkenntnis und das Bekenntnis der eigenen Sünden, und dem Wunsch, von den Sünden gereinigt zu werden. Aber sie führte nicht zur Veränderung des Sinnes und des Herzens durch den Heiligen Geist im Inneren des Menschen.
Entsprechend diente die Taufe des Johannes heilsgeschichtlich nur dazu, das jüdische Volk auf den Messias vorzubereiten, der mit dem Heiligen Geist zur Vergebung der Sünden und Wiedergeburt im Geist taufen wird.
Wir werden im nächsten Kapitel sehen, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist (Geisttaufe) sich unabhängig von der Wassertaufe des Johannes ereignen kann. So geschehen bei dem Juden Apollos, der bereits bekehrt und in der Schrift bewandert freimütig mit brennendem Geist in der Synagoge von Jesus lehrte, obwohl er nur die Taufe des Johannes empfing (Apg. 18,25).
Dieser war in dem Weg des Herrn unterwiesen, und brennend im Geist redete und lehrte er sorgfältig die Dinge von Jesus, obwohl er nur die Taufe des Johannes kannte.
(Apg. 18,25)
In diesem Sinne zeigt das Wirken des Heiligen Geistes bereits auf den dreieinigen Gott in der christlichen Taufe, die Jesus seinen Jüngern gebietet:
Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
(Matthäus 28,19 / LUT).
Die Geisttaufe
Während Johannes die Gottesfürchtigen aus dem jüdischen Volk mit Wasser zur Buße taufte, kündigte er das Kommen dessen an, der mit dem Heiligen Geist taufen würde. Wir hatten oben gesehen (Kapitel 4.1.1), dass darin einer der wesentlichen Unterschiede zwischen der Taufe des Johannes und der christlichen Taufe liegt. Johannes ruft zur Buße (Umkehr) und bereitete das jüdische Volk auf den Messias vor, Christus ist hingegen derjenige, der den Menschen durch die Gabe des Heiligen Geistes neues Leben schenkt..
»Und ich kannte ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf wen du den Geist herniederfahren und auf ihm bleiben siehst, dieser ist es, der mit Heiligem Geist tauft.« (Joh. 1,33)
»Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.« (Markus 1,8)
Die Geisttaufe ist das übernatürliche Werk Christi am Menschen. Es ist die Taufe zur Vergebung der Sünden und Wiedergeburt im Geist. (siehe Kapitel 2.1 »Die Taufe als Sinnbild von Reinigung und Wiedergeburt im Geist«) Entsprechend ist »die Taufe mit dem Heiligen Geist ein Akt, der im Leben jedes Christen gleichzeitig mit der Wiedergeburt stattfindet.« [20] So wie Johannes die Menschen äußerlich mit Wasser taufte, tauft Christus die Glaubenden innerlich mit dem Heiligen Geist. Der Mensch wird nicht nur von seinen Sünden gereinigt, sondern erhält ein neues Herz und einen neuen Geist. Was die Propheten des Alten Testaments angekündigt hatten, erfüllt sich nun im Neuen Bund:
»Und ich will reines Wasser über euch sprengen, und ihr werdet rein sein ... und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen.« (Hesekiel 36,25–26)
»Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR (JHWH), da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; (32) nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der HERR. (33) Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR (JHWH): Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein;« (Jeremia 31,31–33 / SCHL2000)
Die Geisttaufe bewirkt daher mehr als nur die Erkenntnis der Sünde bzw. des eigenen Unrechts, wozu auch schon der natürliche Mensch durch sein Gewissen in der Lage ist (Römer 2,14-15). Sie führt zur Wiedergeburt, zur inneren Erneuerung und Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Christus. Der Gläubige wird ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor. 3,16) und erhält so Anteil an den Gnadengaben Gottes (1. Korinther 12,4) . Der Geist wohnt fortan in ihm, leitet ihn, überführt ihn im Prozess der Heiligung von der Sünde und befähigt ihn zu einem Leben in der Heiligung und der Nachfolge Christi. Paulus spricht im Brief an die Korinther davon, dass die Geistestaufe die Gläubigen als ein Glied in den Leib Christi hineintauft. Das bedeutet, dass die unterschiedlichsten Menschen trotz ihrer unterschiedlichen Geistesgaben in der Gemeinde mit demselben EINEN Heiligen Geist erfüllt durch die EINE geistliche Taufe in den EINEN übernatürlichen Leib der weltweiten Gemeinde Christi eingegliedert werden (Epheser 4, 3-6) .
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
(1. Korinther 12,13 / EIN)
Empfang des Heiligen Geistes
Die Apostelgeschichte berichtet mehrfach vom Empfang des Heiligen Geistes. Zu Pfingsten wurde der Geist auf die versammelten Jünger ausgegossen (Apostelgeschichte 2,1–4). Die Samariter empfingen den Heiligen Geist durch das Gebet und die Handauflegung der Apostel Petrus und Johannes (Apostelgeschichte 8,14–17). Auch die zwölf Jünger in Ephesus empfingen nach ihrer Taufe auf den Namen Jesu und der Handauflegung des Paulus den Heiligen Geist (Apostelgeschichte 19,1–7).
Wir sind schon ausführlich in Kapitel 2.1 darauf eingegangen, dass es keine zwingende Reihenfolge oder einen Wirkzusammenhang zwischen der Wassertaufe und dem Empfang des Heiligen Geistes gibt. Während in Samaria zunächst die Wassertaufe und anschließend der Empfang des Heiligen Geistes erfolgte, empfingen Kornelius und die Menschen in seinem Haus den Heiligen Geist bereits während der Predigt des Evangeliums, noch bevor sie mit Wasser getauft wurden (Apostelgeschichte 10,44–48). Die Geisttaufe ist ein souveränes Handeln Gottes und nicht an einen bestimmten äußeren Ablauf der Wassertaufe gebunden. Das gilt auch für das Handauflegen. Das Gebet und das Handauflegen der Apostel während der Wassertaufe war zwar eine gängige Praxis und durch die Gabe des Heiligen Geistes begleitet, aber niemals eine Bedingung zum Empfang des Heiligen Geistes.
Die Taufe mit Heiligem Geist und Feuer
Die Feuertaufe hat eine zweifache Wirkung. Bei den Gottlosen bewirkt sie Gericht und Verdammnis im unauslöschlichen Feuer der Hölle (Gehenna) und bei den Gläubigen wirkt sie zur Reinigung und Läuterung zum Heil.
Feuertaufe als Gericht über die Gottlosen
Johannes spricht nicht nur von einer Taufe mit dem Heiligen Geist, sondern auch von einer Taufe mit Feuer.
» Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.« (Lk. 3,16 / EIN)
» Ich taufe euch mit Wasser zur Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.« (Mt. 3,11 / EIN)
Das Feuer ist in der Bibel zunächst ein Bild des göttlichen Gerichts. Alles Böse, Unreine und Gottfeindliche kann und wird vor Gott nicht bestehen können und geht im Feuer unter. Es ist bemerkenswert, dass Johannes nur einen Vers weiter in Matthäus 3,12 die Feuertaufe nicht auf die Gläubigen bezieht, sondern mit dem Gericht über die Gottlosen in Verbindung bringt:
Er hat die Worfschaufel in seiner Hand und wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.
(Matthäus 3,12)
Dabei verwendet Johannes das Bild der Worfschaufel, welches am Tag des Gerichts die Spreu (Gottlosen) vom Weizen (Gläubige) trennen wird. Wie Johannes verwendet auch Jesus das Bild des »unauslöschlichen Feuers« (Mk. 9,43) für das Endgericht zur Verdammnis der Gottlosen in der Hölle (Gehenna).
Heilsgeschichtlich betrachtet sind »die Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer zwei verschiedene Ereignisse, die zu zwei verschiedenen Zeitpunkten geschehen werden. Die Taufe mit dem Heiligen Geist steht mit dem ersten Kommen des Herrn Jesus auf die Erde in Verbindung, mit seinem am Kreuz vollbrachten Werk sowie seiner Verherrlichung im Himmel. Die Taufe mit Feuer steht mit seinem zweiten Kommen auf der Erde in Verbindung, wenn Er kommt, um Gericht auszuüben.« [21]
Feuertaufe zur Läuterung der Gläubigen
Das Feuer steht in der Heiligen Schrift nicht nur für den Zorn Gottes und das Gericht an den Gottlosen, sondern wird auch als ein Bild für die geistliche Reinigung und Läuterung der Gläubigen verwendet. Schon im Alten Bund prüft Gott sein Volk und seinen Gehorsam (Richter 2,22) , und läutert es »[…] im Schmelzofen des Elends.« (Jes. 48,10) David sagt in seinen Psalmen:
Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird;
(Psalm 66,10 / LUT)
Grundsätzlich prüft Gott den Glauben und Gehorsam seiner Auserwählten. Das war bei den Patriarchen und Propheten im Alten Testament so (Abraham) und gilt auch für die Gemeinde im Neuen Bund. Für Petrus bedeuten die Prüfungen Gottes nach dem ersten Anschein zwar Kummer und Leid, doch sie dienen zur Bewährung und Stärkung des Glaubens.
dadurch soll sich ja die Echtheit eures Glaubens bewähren und wertvoller erfunden werden als Gold, das vergänglich ist, aber durch Feuer in seiner Echtheit erprobt wird, […]«
(1. Petrus 1,7 / Menge)
Beschreibt die Taufe mit dem Heiligen Geist den Prozess der Bekehrung und Wiedergeburt, weist die Taufe mit dem Feuer auf die Prüfungen in der Nachfolge Jesu hin als das reinigende und verwandelnde Wirken Gottes. Gott prüft den Gläubigen durch den Heiligen Geist auf Herz und Nieren (Ps 26,2) , damit er den alten Menschen ablegen kann mit all seinen Begierden, seiner Selbstherrschaft und seiner Rebellion gegen Gott. So kann die Taufe mit Feuer auch mit der Taufe in den Tod in Verbindung gebracht werden (Römer 6,3) , von der Paulus im Römerbrief spricht. Feuer als Gottes Element der Dekonstruktion und Zerstörung der Sünde trifft auch den Gerechten, aber das Feuer Gottes zerstört nicht den Gläubigen, sondern das sündige Wesen, das den Menschen von Gott trennt.
Goldläuterung als Bild der Heiligung und Reinigung
Schauen wir auf den Herstellungsprozess von reinem Gold, kann uns das helfen, noch besser zu verstehen, was ein Läuterungsprozess durch das Feuer des Heiligen Geistes für den Gläubigen bedeuten kann.
Das Bild des Feuers als Werkzeug der inneren Reinigung durch den Heiligen Geist ist nicht zufällig gewählt. In der Antike war die Läuterung von Gold ein bekannter Vorgang. Gold wird bei Temperaturen von über 1.000 °C geschmolzen. Dabei treten Fremdstoffe, Schlacken und unedle Metalle an die Oberfläche und können entfernt werden. Je häufiger dieser Vorgang wiederholt wird, desto reiner wird das Gold. Das Ziel des Läuterungsprozesses besteht nicht darin, das Gold zu zerstören, sondern alles zu entfernen, was nicht zum Gold gehört. So wird das geläuterte Gold zum Bild der Reinheit und Vollkommenheit.
Dieses Bild greift die Bibel auf, um Gottes Wirken am Menschen zu beschreiben. Wenn Gott spricht: »Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist« (Matthäus 5, 48), möchte Gott den Menschen nicht durch das Feuer vernichten, sondern ihn läutern, d. h. durch seine Feuertaufe zur Vollkommenheit der Gotteskindschaft führen. Er möchte die Sünde, die Unreinheit, das Misstrauen und alles Gottwidrige aus dem Leben des Gläubigen entfernen. Der Läuterungsprozess kann schmerzhaft und leidvoll sein, soll aber letztlich der Reinigung, Heiligung und Wiederherstellung des Menschen dienen.
Bereits oben sahen wir, dass im Alten Testament das Bild der Läuterung mehrfach verwendet wird:
»Denn du hast uns geprüft, o Gott, hast uns geläutert, wie man Silber läutert.« (Psalm 66,10)
»Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht wie Silber; ich habe dich geprüft im Schmelzofen des Elends.« (Jesaja 48,10)
»Darum spricht der HERR der Heerscharen: Siehe, ich will sie schmelzen und prüfen.« (Jeremia 9,6)
»Ich will dieses Drittel ins Feuer bringen und es läutern, wie man Silber läutert, und prüfen, wie man Gold prüft.« (Sacharja 13,9)
Besonders deutlich wird die Symbolik der Goldläuterung im Tempeldienst Israels. Für die Geräte des Heiligtums, die Leuchter, Altäre und selbst für die Verkleidung des Tempels wurde geläutertes Gold verwendet (1. Könige 6,21; 7,49–50; 1. Chronik 28,18). Das reine Gold spiegelte die Reinheit, Herrlichkeit, Heiligkeit und Vollkommenheit Gottes wider. Je näher ein Gegenstand der unmittelbaren Gegenwart Gottes kam, desto reiner und kostbarer musste das verwendete Material sein. Die Bundeslade im Allerheiligsten war innen und außen mit reinem Gold überzogen und wurde so zu einem sichtbaren Ausdruck der heiligen Gegenwart Gottes inmitten seines Volkes.
Das Feuer der Läuterung begegnet uns auch im Leben der Gläubigen. Gott führt seine Kinder nicht selten durch Zeiten der Prüfung, um den Glauben von Zweifel und Misstrauen zu reinigen. So wie das Feuer die Schlacke vom Gold trennt, trennt Gottes Wirken den Gläubigen von falschen weltlichen Sicherheiten, sündigen Gewohnheiten und von dem alten Menschen des Eigenwillens.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür finden wir im Buch Daniel. Als Sadrach, Mesach und Abed-Nego sich weigerten, das goldene Standbild Nebukadnezars anzubeten, wurden sie in den glühenden Feuerofen geworfen (Daniel 3,19–23). Das Feuer, das sie vernichten sollte, konnte ihnen jedoch nichts anhaben. Stattdessen sah Nebukadnezar eine vierte Gestalt bei ihnen im Feuer:
Siehe, ich sehe vier Männer frei mitten im Feuer umhergehen, und sie sind unverletzt; und die Gestalt des vierten gleicht einem Sohn der Götter.
(Daniel 3,25)
Christologisch gedeutet, kann man in dieser geheimnisvollen Gestalt eine Erscheinung des präexistenten Christus sehen, zumal er in Daniel explizit als »Sohn Gottes«, bzw. »Sohn der Götter« bezeichnet wird. Unabhängig davon, ob diese Auslegung zutreffend ist, zeigt die Begebenheit jedoch eindrucksvoll, dass Gott die Seinen mitten in der Feuerprobe bewahrt. Das Feuer vernichtet nicht die Gläubigen, sondern offenbart Gottes Gegenwart und Macht zu ihrer Bewahrung.
Diese Wahrheit findet ihre Erfüllung im Neuen Testament. Wenn Johannes ankündigt, dass Christus mit Heiligem Geist und Feuer taufen wird, beschreibt er nicht nur das kommende Gericht Gottes, sondern auch das reinigende und heiligende Wirken Gottes an seinem Volk. Der Heilige Geist führt den Gläubigen durch einen fortwährenden Läuterungsprozess, in dem die Macht der Sünde und sein Eigenwille gebrochen und das Bild Christi im Menschen immer deutlicher sichtbar wird, bis hin zur eschatologischen Vollkommenheit durch das Wirken Gottes im Menschen.
Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Geduld bewirkt. (4) Die Geduld aber soll zu einem vollkommenen Werk führen, damit ihr vollkommen und untadelig seid und es euch an nichts fehlt.
(Jakobus 1, 3-4 / EIN)
So wie Gold im Feuer vollkommen gereinigt wird, soll auch der Gläubige durch das Festhalten im Glauben durch Gottes Wirken im Geist zur Vollkommenheit gereinigt werden, damit er uns, versöhnt durch sein Opfer einmal heilig, fehlerlos und unsträflich vor sein Angesicht stellen kann. Im Prozess der Läuterung sollen wir wachsen »bis wir alle zur Einheit im Glauben und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zum vollkommenen Menschen, zur vollen Größe, die der Fülle Christi entspricht.« (Epheser 4,13)
Das Ziel der Läuterung ist deshalb nicht Zerstörung des Gläubigen, sondern seine Verwandlung; nicht Vernichtung und Verdammung, sondern Heiligung zur geschenkten Vollkommenheit; nicht Tod und Verderben, sondern die Wiederherstellung des Menschen nach dem Bild seines Sohnes (Römer 8,29) .
Die Taufe als Sakrament / Gemeindepraxis
In Kapitel 2 hatten wir ausführlich besprochen, dass sich hinter der Wassertaufe Sinnbilder für dahinterliegende geistliche und göttliche Wirklichkeiten verbergen. Es ging um die Taufe als ein Sinnbild von Reinigung und Wiedergeburt im Geist, um die Taufe als ein Bild von Tod (Kreuz) und Auferstehung und um das Wasser der Taufe als ein Bild von Gericht und Errettung.
In Kapitel 4.2.2. sahen wir, dass die Feuertaufe eine zweifache Wirkung hat. Bei den Gottlosen bewirkt sie Gericht und Verdammnis im unauslöschlichen Feuer der Hölle und bei den Gläubigen wirkt sie zur Reinigung und Läuterung zum Heil und zur Bewahrung und Überwindung der Welt.
Doch es gibt noch einen weiteren wichtigen Aspekt der Geisttaufe, die das innere Wirken Gottes in der sichtbaren Glaubenspraxis der Wassertaufe widerspiegeln soll. Sowohl das unsichtbare Ereignis der Geisttaufe als auch die sichtbare Praxis der Wassertaufe zeigen die Eingliederung des Gläubigen in den Leib Christi, der die Gemeinde Christi darstellt.
So wie die Geisttaufe den Menschen durch EINEN Geist als einzelne Glieder in die weltweite unsichtbare Gemeinde des Leibes Christi „hineintauft“ (1 Korinther 12,13) , ist die Wassertaufe ein Zeichen für die Aufnahme in die sichtbare irdische Gemeinde und dokumentiert die Zugehörigkeit zu den einzelnen christlichen Glaubensgemeinschaften. Die Eingliederung in den Leib Christi als Ausdruck der Gemeinde in der Nachfolge Christi ist also das wesentliche Element und Zeichen, sowohl bei der Geisttaufe und der Wassertaufe.
Auch wenn Jesus nie selbst getauft hat (Johannes 4,2) , hat er die Taufe als sichtbares Sakrament für die Gemeinde angeordnet. So gehören die Taufe und das Abendmahl zu den einzigen beiden Sakramenten, die Jesus direkt für seine Jünger im Rahmen ihres Missionsauftrages eingesetzt hat und die entsprechend in den jungen Gemeinden praktiziert wurden (Apg. 2, 38-42).
So lautet die Taufformel:
»[…] Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes«
(Matthäus 28,19)
In Kapitel 4.1 sind wir schon auf die Bedeutung des Namens in der Taufformel eingegangen. Die Apostel verwendeten nicht nur die trinitarische Taufformel, sondern tauften im Wesentlichen auf den Namen Jesu. Streitigkeiten in den Gemeinden über die Taufe belegen (1. Korinther 1,11-15), dass die Taufe auf den Namen Jesu die am häufigsten verwendete Taufformel in den ersten christlichen Gemeinden war (Apg. 2,38).
Im Urchristentum wurden nicht nur Einzeltaufen durchgeführt, sondern die Bibel berichtet auch von Haustaufen, wie beispielsweise im Haus des Kornelius, als der Heilige Geist auf alle kam, auch auf die anwesenden Heiden, die dem Evangelium des Petrus zuhörten (Apostelgeschichte 10,44–48). Die Praxis der Haustaufen war die Vorläufer der kirchlichen Gemeindetaufen, als es noch keine Gemeindehäuser bzw. Kirchengebäude gab. Über weitere Haustaufen wird berichtet im Hause der Lydia (Apg. 16,15), im Haus des Kerkermeisters (Apg. 16,27-34), im Haus des Krispus (Apg. 18,8) sowie im Haus des Stephanas (1. Kor. 1,16).
Durch die praktizierten Haustaufen in der alten Kirche, die zumeist alle Bewohner wie Ehefrauen, Kinder, Bedienstete und Sklaven umfassten, entstand möglicherweise die Praxis der Kindertaufe. Erste Erwähnungen der Kindertaufe finden sich um 215 in der Hippolytischen Kirchenordnung (Baptismus infantium). [22] So praktiziert noch heute ein großer Teil der christlichen Gemeinden die Kindertaufe, wobei die Eltern bzw. Taufpaten als Stellvertreter des Täuflings den Glauben an Jesus Christus bekennen mit dem Versprechen einer christlichen Erziehung des Kindes.
Spaltungen in Tauffragen
Im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte gab es Kontroversen über die Kinder- bzw. Säuglingstaufe mit dem Argument, dass nur Gläubige oder mündige Erwachsene sich bewusst zum Glauben bekennen können (Bekenntnistaufe). Entsprechend entstand in der Zeit der Reformation eine radikale Täuferbewegung , die die Kindertaufe ablehnten und dadurch den Widerstand beispielsweise der Reformatoren Luther und Zwingli auf sich zogen. Die Täufer führten in ihren Gemeinden die Praxis der Wiedertaufe für Gläubige ein, die sich bereits im Säuglingsalter taufen ließen. Diese Praxis führte sogar zur Verfolgung der Täuferbewegung auch durch staatliche Stellen (Wiedertäufermandat 1529 von Speyer) [23]
Noch heute hängt in vielen freien evangelischen Gemeinden die Gültigkeit einer Taufe davon ab, ob der Täufling sich bewusst für die Taufe entschieden hat. Christen, die als Säuglinge getauft wurden, gelten dort in der Regel als ungetauft und werden nicht zu bestimmten kirchlichen Ämtern zugelassen oder dürfen nicht am Abendmahl teilnehmen.
So haben sich im Laufe der Kirchengeschichte in den West- bzw. Ostkirchen verschiedene Lehren über die Taufe entwickelt, die sich voneinander unterscheiden
- in der Art der Taufe (1. Kindertaufe / Gläubigertaufe 2. Untertauchen / Übergießen, Salben 3. Wassertaufe / Geisttaufe / Weihe)
- im Bekenntnis (Bußbekenntnis, Glaubensbekenntnis, Absage an die Welt und an das Böse / Satan).
- und im Eingliederungsritus in die Gemeinde (Salbung, Segnung, Firmung, Erstkommunion; Taufkleid, –Kerze, -Kreuz, etc.)
Mahnung zur Einheit
Es ist zu wünschen, dass die unterschiedlichen Ansichten über die Taufe in den Weltkirchen bzw. in den Weltgemeinden, nicht zu weiteren Spaltungen zwischen den Gemeinden führen, sondern die unterschiedlichen Denominationen sich auf das biblisch überlieferte Wissen über die Taufe zurückbesinnen. Wir sollten uns stets vergegenwärtigen, dass nicht Menschen, sondern Jesus höchstpersönlich die Taufe mit Wasser als Sakrament für die Gemeinden eingesetzt hat und wir dieses Sakrament nur in seinem Sinn und Kraft seines Heiligen Geistes verwalten sollen. Paulus ermahnte die Gemeinden, dass die Taufe nicht Anlass unnötiger Diskussionen und Streitereien sein sollte, sondern die Einheit des Glaubens und der Kirche und des einen Geistes ausdrücken soll.
Wir hatten uns eingehend mit dem Wesen der Taufe beschäftigt und sollten in Dankbarkeit und Anbetung die Gnade Gottes preisen, dass er uns im Sakrament der Taufe sichtbar Vergebung, Rettung und Erlösung durch die Wiedergeburt im Geist zusprechen will und uns als Kinder Gottes in seinen Leib, d. h. in die ewige Gemeinde in Christus aufnehmen möchte. Auch wenn die Wassertaufe keine Wirksamkeit auf die innere geistliche Transformation des Menschen hat und deshalb strenggenommen (wie das Bekenntnis vom Verbrecher am Kreuz zu Jesus zeigt) nicht heilsnotwendig ist , hat Jesus die Wassertaufe im Taufbefehl ebenso wie das Abendmahl bewusst als verpflichtendes Sakrament in die Gemeinde eingeführt. Gemeinden, die die Wassertaufe zugunsten der Alleinwirksamkeit der Geisttaufe ablehnen oder als unnötig betrachten (z.B. Quäker, Heilsarmee), sollten sich nicht über den Taufbefehl Jesu hinwegsetzen, sondern demütig nach den Gründen forschen, warum Jesus die Wassertaufe angeordnet hat. Entsprechend möchten wir den Versuch wagen aus dem Kontext der Bibel drei Gründe zu benennen, die zur Einsetzung der Wassertaufe im Namen des dreieinigen Gottes geführt haben könnten.
Die Taufe als Zeichen, Bekenntnis und sichtbarer Bund
Das Zeichen als Siegel
Die von Jesus eingesetzte Wassertaufe bewirkt keine Taufwiedergeburt, sondern ist ein Bild der Geisttaufe und damit ein äußeres Zeichen, und ein Hinweis darauf, was die Taufe mit dem Heiligen Geist im Inneren des Menschen bewirkt hat. Auch Johannes hat mit Wasser getauft (siehe Kapitel 3.3), doch es war nur die Taufe zur Buße. Die Wassertaufe Jesu ist allerdings mehr als die Taufe des Johannes, weil sie ein Zeichen bzw. Ausdruck der Bekehrung und der Wiedergeburt im Heiligen Geist sein soll. So wie der Heilige Geist den Gläubigen als Eigentum Gottes (1. Petrus 2,9) , als Kind Gottes und Erben des Reiches versiegelt (Epheser 1,13-14) , soll die Wassertaufe im Namen Jesu genau diese neue geistliche Wirklichkeit der Versiegelung ausdrücken. Es ist in diesem Zusammenhang aufschlussreich, dass Paulus zwölf Jünger des Johannes, die zuvor mit der Taufe der Buße des Johannes getauft wurden, erneut auf den Namen Jesu taufte (Apg. 19, 5), als ein Bild der Taufe mit dem Heiligen Geist.
Beide Wassertaufen standen symbolisch für verschiedene Veränderungen im Menschen. Rief die Taufe des Johannes den Menschen zur Umkehr und zur Abwaschung und zum Bekenntnis ihrer Sünden, ist die Taufe im Namen Jesu der Ausdruck des Empfangs der Vergebung durch das Blut Christi und Neugeburt im Heiligen Geist. Es ist weiterhin anzunehmen, dass die Anordnung der Wassertaufe auch in der Schwachheit des Menschen begründet liegt. Jesus wusste, dass der Gläubige äußere Zeichen (Sakramente) braucht, damit unsichtbare und geistige Wirklichkeiten greifbarer werden können. Jesus wollte uns mit dem Sakrament der Wassertaufe nicht äußerlich reinigen, sondern den Blick auf unsere innere Reinigung des Herzens richten, die uns Gott durch sein Blut und durch seinen Heiligen Geist schenken möchte. Durch die Wassertaufe möchte uns Gott aber auch Gewissheit verschaffen, dass wir so real, wie wir die leibliche Reinigung in der Waschung der Taufe erfahren, auch im Glauben real auf die unsichtbare geistliche Reinigung vertrauen dürfen. Deshalb dürfen wir die von Jesus angeordnete Wassertaufe als ein Zeichen verstehen, als ein sichtbares Siegel unserer Errettung und Erlösung durch Jesus Christus.
Das Bekenntnis zur Errettung
Es liegt in der Natur der Dinge, dass das Wirken des Heiligen Geistes unsichtbar bleibt und damit auch der Prozess der inneren Reinigung von den Sünden und die Wiedergeburt im Geist. Doch mit der Wassertaufe hat der Täufling die Möglichkeit, seine Bekehrung und seinen inneren Glauben sowie seinen Wunsch, Christus zu folgen, öffentlich zu machen. Das öffentliche Bekenntnis in der Taufe macht den Glaubensschritt erst konkret und als Proklamation sichtbar vor sich selbst, vor Gott und vor den Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde. Nun kann der Einwand kommen, dass Gott in unser Herz schaut und unseren Glauben sieht und deshalb der Glaube zur Errettung im Verborgenen bleiben kann ohne nach draußen dringen zu müssen. Doch erinnern wir uns, dass der Taufbefehl Teil des Missionsauftrags Jesu war, nämlich in alle Welt das Evangelium zu verkündigen. Durch die Wassertaufe möchte Jesus, dass wir auch zu Zeugen seines Evangeliums der Rettung werden und uns nicht nur im Verborgenen zu ihm bekennen. Wenn Jesus sagt:
Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater.
(Matthäus 10,32)
deutet er an, wie wichtig ein öffentliches Bekenntnis für einen echten Glauben und die Errettung ist. Jesus sagt, dass er für uns vor dem himmlischen Vater eintritt, wenn wir ihn nicht verleugnen, und ihn und unseren Glauben ohne Furcht vor der Welt bekennen. Jeder kennt die Geschichte von Petrus, der aus Furcht vor Verfolgung seinen Herrn verleugnete, weil er es nicht wagte, sich öffentlich auf die Seite Jesu stellen. In allen Epochen der Geschichte gehört Mut dazu sich zu Jesus zu bekennen, weil dieser Schritt in der Regel zu Ausgrenzung und Verfolgung durch die Welt führt. Deshalb betont Paulus die Bedeutung des öffentlichen Bekenntnisses zu Jesus. Zu IHM gehören zu wollen, ist ein Zeugnis, welches von Herzen geglaubt, zur Errettung führen wird. (Römer 10,9)
So kann die christliche Taufe zu einem Zeugnis des Glaubens werden. Nämlich zu einem Bekenntnis zu dem gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Retter und seine Gemeinschaft mit Ihm im Sterben für die Sünde und in der Auferstehung zu einem neuen Leben in Christus. Ein Bekenntnis zur Gemeinschaft und Identifizierung mit dem sichtbaren Leib Christi in dieser Welt und dem unsichtbaren Leib in der künftigen Welt.
Der Bund
Die Wassertaufe kann allerdings auch als ein sichtbares Zeichen des von Gott gespendeten Gnadenbundes mit dem Täufling betrachtet werden. In reformatorischen Kreisen wird der Bundesgedanke in der Taufe stark betont und mit dem Bund der Beschneidung im AT ins Verhältnis gesetzt. Bereits in Kapitel 3.1.3 hatten wir gesehen, wie Paulus die Taufe christologisch mit der Beschneidung in Zusammenhang brachte. Das Bundeszeichen der Beschneidung mit dem Volk Israel verbindet Paulus mit der neutestamentlichen Taufe indem er von der »Beschneidung Christi« spricht, die eine Beschneidung ohne Hände ist (Kol 2,11-12) . So nimmt Paulus die Beschneidung nach dem Gesetz des Mose als ein Bild für die nicht mit Händen vollzogene Beschneidung des Herzens von Sünde und Boshaftigkeit durch den Glauben und die Kraft des Heiligen Geistes. Der im Herzen Beschnittene soll seinen »fleischlichen Leib ausziehen« als Symbol für das Ablegen der alten sündigen Existenz, welche unter der Herrschaft der Sünde steht. Allerdings verbindet Paulus hier den äußeren Bund der Beschneidung mit dem Neuen Bund der Beschneidung des Herzens, d. h. nicht mit der Wassertaufe, sondern mit der Taufe im Heiligen Geist.
Möchte man die Beschneidung im Alten Bund mit der Wassertaufe im Neuen Bund vergleichen, vergleicht man allerdings zwei äußere Zeichen, die keine Wirksamkeit auf die innere Transformation und den Glauben des Menschen haben. Äußere Zeichen taugen zwar dazu, dass Gott sein Gottesvolk aus der Welt durch die Proklamation eines einseitigen Gnadenbundes aussondern und berufen möchte, doch was nutzte die Beschneidung denjenigen aus dem Volk Israel, die bis auf die 7000 Getreuen ihre Knie vor dem Baal beugten und trotzdem verloren gingen (1. Könige 19,18) ? Was wird in der Endzeit die Wassertaufe für den Einzelnen wert sein, wenn sie in der Bedrängnis der Trübsal Jesus verleugnen, weil sie das Malzeichen des Tieres annehmen und dafür verdammt werden? (Offb. 14,9-10)
Ob Beschneidung der Kinder oder der Erwachsenen (Proselyten) im Alten Bund oder die Wassertaufe der Kinder oder der Erwachsenen im Neuen Bund; entscheidend für die wahre Erlösung und Gotteskindschaft ist die Taufe mit dem Heiligen Geist, die Wiedergeburt aus Wasser und Geist, die ein geschenkter und unverdienter Gnadenakt Gottes ist (Titus 3,4-5) . Im Gegensatz zur Wassertaufe, die wie die Beschneidung nur ein irdisches Bundeszeichen ist, welches sich erst im Glauben beweisen muss, ist die Geisttaufe (Wiedergeburt) Gottes ein Siegel zum verheißen Bund (Erbe) , zum ewigen Bund durch das Blut unseres Herrn Jesus Christus (Hebräer 13, 20) . Es ist der ewige Bund, der sich in ewiger Gemeinschaft mit Gott und den Menschen im neuen Himmel und auf einer neuen Erde erfüllen wird, wenn es heißt:
Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr. Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. (3) Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. (4) Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
(Offenbarung 21,1-4 / EIN)
© Autor Rolf Trostel, Version 1 / 14.07.26
Fußnoten
[1]
Wortstudie: griechisch: βάπτισμα – baptisma deutsch: Taufe https://www.csv-bibel.de/strongs/g908=Taufe
[2]
Wortstudie: griechisch: βαπτίζω – baptizo deutsch: taufen; Täufer; waschen https://www.csv-bibel.de/strongs/g907=waschen
[3]
Wortstudie: griechisch: βάπτω – bapto deutsch: eintauchen; tauchen https://www.csv-bibel.de/strongs/g911=tauchen (Alle Zugriffe: 14.05.26)
[4]
Im Heidelberger Katechismus (Frage 73) wird die „Wiedergeburt aus Wasser und Geist“ damit beschrieben „daß er uns durch dieses göttliche Pfand und Wahrzeichen versichern will, daß wir so wahrhaftig von unseren Sünden geistlich gewaschen sind, wie wir leiblich mit dem Wasser gewaschen werden.“
[5]
Wortstudie griechisch: κτίσις – ktisis = Schöpfung; Geschöpf; Einrichtung; leitet sich ab vom Verb κτίζω – ktizo = schaffen; erschaffen; Quelle: https://www.csv-bibel.de/strongs/g2937=Sch%C3%B6pfung
[6]
(2. Korinther 5,17) Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. LUT = Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
[7]
https://de.wikipedia.org/wiki/Taufe (Zugriff 30.06.2026)
[8]
Wortstudie: griechisch »ἀντίτυπον – antitypon« deutsch »Gegenbild« https://www.csv-bibel.de/strongs/g499 Das Wort »antitypon« wird auch für das Heiligtum des Tempels bzw. der Stiftshütte verwendet als Gegenbild zum wahren himmlischen Heiligtum in das Jesus eingegangen ist. (Hebräer 9,24)
[9]
Wortstudie: Hebräisch: תֵּבָה – tebah deutsch: Arche; Kästchen; Kasten, Korb https://www.csv-bibel.de/strongs/h8392 (Zugriff: 15.05.26)
[10]
Hebräisch: עמנואל deutsch: Immanuel »Mit uns ist der (Gott) Mächtige« https://www.ancient-hebrew.org/definition/Immanuel.htm In Jesaja 7,14 (Zugriff: 17-05.26) In Jesaja 7,14 wird Immanuel als Jesus, der kommende Sohn Gottes, geboren von einer Jungfrau prophezeit
[11]
Der Name« »Jesus« ist die latinisierte Form des altgriechisch flektierten »Ἰησοῦς« mit dem Genitiv »Ἰησοῦ« („Jesu“). Es übersetzt die aramäische Kurzform »Jeschua« oder »Jeschu« des hebräischen männlichen Vornamens »Jehoschua«. Dieser setzt sich aus der Kurzform »Jeho«- des Gottesnamens »JHWH« und einer Form des hebräischen Verbs »jascha« = „helfen, retten“ zusammen. Also Jesus = Jehoschua = Jeho (JHWH) + schua (rettet) Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret (Zugriff: 16.05.25)
[12]
Wortstudie: Griechisch (Strong G909) »βαπτισμός – baptismos« deutsch: »Waschung«, verwandt mit dem Wort »βαπτίζω – baptizo« = »taufen« https://www.csv-bibel.de/strongs/g909 (Zugriff: 01-06.26)
[13]
Einige Ausleger verstehen die „Beschneidung Christi“ als Christi Tod am Kreuz, als die am Kreuz vollzogene Abschneidung Christi aus dem Land der Lebenden im Sinne von Jesaja 53,8 »[…] denn Er wurde abgeschnitten aus dem Land der Lebendigen.[…]«
[14]
(Babylonischer Talmud Yevamot 47b) https://www.sefaria.org/Yevamot.47b.10?lang=bi&with=all&lang2=de (Zugriff: 01-06.26)
[15]
»Früher schrieben Wissenschaftler alle Qumranrollen den Essenern, einer der drei jüdischen Hauptsekten zur Zeit des Zweiten Tempels, zu. Heutzutage stimmen die meisten von ihnen darin überein, dass diese Schriften eher von miteinander verbundenen, sich entwickelnden Gemeinschaften stammt und nicht das Werk die einer einzelnen Sekte darstellt. « Siehe auch: https://www.deadseascrolls.org.il/learn-about-the-scrolls/scrolls-content?locale=de_DE (Zugriff: 02.06.26)
[16]
https://en.wikipedia.org/wiki/Community_Rule (Zugriff:03.06.26)
[17]
Quelle „Die Schriftrollen von Qumran“ Wise/Abegg/Cook, Weltbild Verlag 1997, Seite 404
[18]
https://www.qumran.org/js/qumran/hss/1qs
[19]
Johannes verneint, Elia in Person oder der verheißene Prophet zu sein; zugleich erfüllt er nach Jesu Deutung den Dienst des Elia
[20]
John MacArthur, Biblische Lehre, 3. Auflage 2023, Seite: 474
[21]
Zitat aus: https://www.kingcomments.com/de/bibelstudien/Mt/3 (Zugriff 16.06.2026)
[22]
https://de.wikipedia.org/wiki/Taufe Zugriff: 30.06.2026
[23]
https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ufer Zugriff 30.06.2026